Chorus


In einem Chor zu singen
ist eine ziemliche Passion.

Den Tönen
miteinander
Raum zu geben;
sie zu verweben
– lassen
ist mehr, als einfach nur Gesang.

In einem Chor zu singen
heißt
sich stimmlich zu verbinden.
Und das ist
wenig heilig oder esoterisch,
ganz schlicht –
ein Muss.

Heißt auch;
sich zu verschenken,
den eignen Ton und sich gleich mit
für den Moment.

Das heißt  wohl
immer so und so,
doch meistenteils:
In einem Chor zu singen
ist auch
und immer wieder neu –
ziemliche Passion.

 

Nicht-Wissen


Ich dachte
ich wüsste
was die Welt
und mich darin
zusammenhält.

Und fiel in Spalten
zwischen all dem Wissen.

Und fand
im Zittern blind und taub an Sinnen:
Nichts-Mich.

Ich dachte
in den Spalten
meistens viele Nicht-Gedanken.
Und flog im Universum.
Anderswo.

Und fand
die Welt und mich darin.
Und manchmal nicht.

Ich dachte
ach, ich hab’s vergessen,
irgendwo dazwischen
ihr wisst schon, wo.

Abstraktionen 1


Landkarten
zeigen
Gegenden
abstrakt.

Ein blauer Strich ist Fluss,
ein braun-gebogener die Höhe,
das helle Grün ein Wald.

Modern ist
Satelitten um die Welt zu schicken.
Mit Fluss und Höhe und natürlich grünem Wald.
Abstrakt.
In Echtzeit.

Die Regenjacke
zu vergessen
ist
mit Karte oder Satellit:
In echt nass.

 

Geister der Welt


Geister der Welt

singt eure Lieder,

schreit so laut ihr könnt,

unsere Ohren hören schlecht,

sie sind verstopft von

Jingles und dem Lärm der Welt.

 

Schickt Stürme, Wellen,

große Vögel,

lasst Brücken bersten,

Hitze Flüsse trocknen

bis wir es verstanden haben.

Alle.

Wir sehen: Ihr habt schon begonnen.

 

Dann vielleicht doch, eine Bitte noch:

helft uns zu hören,

wiegt unsere Herzen liebevoll

im Sturm

und schickt

die Meister aller Herzen tief ins Chaos,

die lachend scheppern,

staunen,

wissen.

Ist Zeit genug?

Aus die Maus.


Gelebtes:

Visionäres.
Ideen umgesetzt.
Neues gemeinsam in die Welt getragen.
Menschen miteinander verbunden.
Lachen und Absurdes gesammelt.
Getröstet und getröstet worden.
Uns uns vertraut gemacht.

Verpasstes:

Elbstrandgänge.
schade, aber entbehrlich.
Prickelndes Betrinken.
zu spät  getroffen – früher…aber immer.
Bäuche vergleichen.
lustig.
Tanzen.
schade, zu nina simone im hospiz war es nicht das gleiche.
Regensonntag am Frühstückstisch verbringen und dummes Zeug denken wie reden.
müßiges da-sein ohne plan: nicht oft unser ding gewesen.
Küssen.
früher bestimmt, jetzt waren herz und mund vergeben – gut.
Mittelmeer-Reisen.
schön, nicht wirklich wichtig.
Gemeinsam meditieren.
schön und wichtig.
Sterben üben.
das einzige, was zu bereuen wäre, verpasst zu haben, wenn es etwas zu bereuen gäbe.

Good luck my dear, du fehlst.

 

Lebens-Erfahrung


Neu ist
die Versehrtheit.

Besiegbar Herz und Hand-Verstand,
gerissen mittendurch,
schrundig, ganz ohne Strahl und Kraft und Gut.

Verloren
ging der Löwenmut,
das Fell auf nackter Brust
reicht nicht für Wintertage.

Gewonnen
sind die Narben,
die dünne Haut, der es nach Zärtlichkeit verlangt,
die friert
und dann darunter warm lebendig ist.

2015-07-30 18.58.21