Nichts gesucht


Heute fand ich

ein  Rumi-Zitat in einer Toilette,
mich im Spiegel meiner müden Augen,
liebevolle Gedanken,
Angst,
einen Freund,
freches Gelächter,
Vogelflug,
durch und durch Fremdes,
ziemlich Vertrautes.

Ich nehme alles hin,
und füge hinzu:
Verwirrte Erkenntnis und erkanntes Chaos.

Und grünen Tee am Morgen.

Unerhört Betörendes gehört


Hommage an Amai

nach einem Konzert am 13.10.2017
in der auto-kultur-werkstatt

Sirenen? Elfen?
Harfen? Ungeheuer?
Frauen?
Es und sie und alles
sang, raunte, stöhnte, seufzte, jubilierte
still
und dann
die Elfen-ungeheuerlich.
Still.
Hört Ohr und Herz und jedes Haar. Steht hoch. Gefühlt. Naja.

Dazwischen, drumherum
und überall, auch da,
Gesänge aus der Hier- und aus der Anderswelt.
Und sonstwoher – kein Mensch gewiss.

Wer will schon wissen,
wer und was da sang und tönte, sich im Raum verwob und einte,
auch erhob,
gemeinsam – ich flog mit.
Und lag.
Nicht still.

Klangkram aus Welt und Erde, Mensch und Herz und
Mäuse sangen auch,
ich schwör’s,
und alle tönenden Gefieder miteinander.
Im Moment.
Auch laut.

Bis dahin und danach jemals gehört und unerhört.

Der Dank klingt nach, ihr Amaisianerinnen.

Resonanz


Erste Gedanken zu Hartmut Rosas Buch Resonanz

Resonanz als Gegenstand soziologischer Forschung, also als Gegenstand einer Disziplin, die selten unter Verdacht steht, Anleihen in der Esoterik zu machen.

Hartmut Rosa ist unzufrieden mit den Inhalten der Glücksforschung und auch mit dem, was die Philosophie zur Frage nach dem guten Leben zu sagen hat.

Er will u.a. zeigen, dass ein gutes Leben mehr ist, als die Anhäufung und optimale Nutzung der eigenen Ressourcen – und weil er Wissenschaftler ist, tut er das streng wissenschaftlich.

Soziologie einer Weltbeziehung ist der Untertitel – ja, wie steht es um unsere Beziehung zu uns selbst, zu Natur, zu unseren Mitmenschen? Und kann es sein, dass die in den meisten Coachings und auch der Psychotherapie aktuell so betonten Aspekte von Ressourcen- und Lösungsorientierung genau das zur Folge haben, was sie eigentlich vermeiden wollen: Eine Verstummung der Welt um uns herum? Weil wir nicht in Resonanz gehen, sondern Welt nutzen, uns zu eigen machen, indem wir Ressourcen wie Bildung, Einkommen, Status, Netzwerke und Talente sammeln und hoffen, auf diese Weise glücklicher zu werden.

Auf ökologischer Ebene ist uns das klar? Aber bezogen auf uns als Individuum?

Und ist es nicht so, dass wir verzweifelt versuchen, unsere Bestimmung in der Welt zu erkennen und diese gern als stabilen Faktor unseres Selbst erkennen würden – bei gleichzeitiger Aufforderung, uns permanent zu wandeln, flexibel zu sein?

Wie kann diese Paradoxie gelebt werden, ohne dass wir daran zerbrechen? Wobei: Wir tun es ja, zerbrechen, ausbrennen, verzweifeln.

Wie geht ein Leben ohne ethischen Kontext, ohne selbst-verständliche Zugehörigkeit?

Wir haben uns befreit – von allem, vor allem von Eingebundensein, von Bindung, und vom Resonanzerleben.

Für die Selbstverständlichkeit beraterischer oder therapeutischer Arbeit spielen grundlegende Überlegungen wie diese eine große Rolle – allerdings hat ein Diskurs dieser Art keine Tradition in diesem Kontext.

Achtung: Diese Gedanken haben keinerlei Anspruch darauf, Herrn Rosas großartiges Werk zu erklären oder zu zitieren – ich nutze die daraus entstehenden Gedanken lediglich, um eigenen Überlegungen Raum zu geben. Ich gehe in Resonanz, auch, weil mir immer öfter angst und bange wird ob der Optimierung, Selbstverwirklichungs- und Selbstwirksamkeitwelle, die uns in Beratung, Coaching und Therapie mitzureißen droht.

P.S. Als Gestalttherapeutin und Präsenzcoach bin ich seit vielen Jahren Teil der Lösung wie des Problems

Still sein?


FundstückeStill sein, oder werden?

Inne-halten? Innen etwas halten.
Wer hält was?
Jedenfalls jede Menge Worte, innen wie außen,
drängeln, drohen, schleichen.

Außen?
Ist das ein Wer? Oder mehr ein  Was? Oder gar ein Wie?

Stille besser als Laute?
Fluss besser als Wüste?
Tag besser als Nacht?
Segen besser als Fluch?

Na, wer darauf Antwort weiß möge direkt gen Himmel fliegen – nur: Was soll sie da?

Es geht um nichts…


Hier zunächst das für heute maximal inspirierende Zitat von Luisa Francia:
„Es geht um nichts. Hör auf zu strampeln und zu kämpfen, sonst hörst du den Gesang des Windes nicht.“
aus: Die magische Kunst, das Glück zu locken

Ja ist DAS denn die Möglichkeit?
Statt sich zu vervollkommnen, zu reinigen, zu verschlanken, zu verjüngen, statt immer kompetenter zu werden, smarter, klüger, flexibler, reicher, gelassener, erleuchteter, veganer und vor allem optimaler zu werden- also statt Workout am Morgen, Achtsamkeit am Mittag und Yoga am Abend einfach nur DA SEIN?

Kein hehres Ziel das ruft, keine Erleuchtungsreisen, keine Absolution, nix, was zu erreichen wäre, weil alles schon hell,  befreit und eben einfach so DAS LEBEN ist?
Wie fühlt es sich denn an, ganz innendrin, so ohne großes Ziel und Aufrag für das kleine Ego und die große Welt? Wie lebt es sich, zum Beispiel einfach in den Atem, der ja wundersamerweise fließt ganz ohne komplizierte Atemtechnik?
Was wäre, wenn alle Bilder von Leiden, Verdammnis, Dunkelheit und Höllenqualen und natürlich auch alle Regeln und Anweisungen, dem Schrecken zu entgehen oder ihn zu überwinden, ja, wenn auch das eben nur Bilder, keine Wahrheiten, wären?
Wenn es sozusagen nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht wäre, das Leben zu genießen? Könnten wir dann aufhören, nach immer mehr und mehr und noch mehr Geld und Macht und Zeug zu gieren und stattdessen Wind- und Waldgesang, Sonnentanz und Menschenglück genießen?

Wenn Glück wohl hieße,
sich am freien Atmen zu erfreuen,
wer wollte dann noch Aktien kaufen?
Wer würde dann nicht alles dafür tun,
dass kein und wirklich kein lebendig‘ Wesen,
kein Stein, kein Baum, kein Kind, kein Tier
und auch kein Ton
in seiner Art, im Glück zu sein
behindert würde?

Es könnte schön sein, überall auf dieser Welt –  und Kontinente wechseln über Meere würden Menschen, weil die Lust triebe, nicht die Not.

Vom Loben


Von manchen Dingen kann mensch nicht genug haben – gelobt zu werden ist wahrscheinlich so eine Zutat, die weltweit, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion und Intelligenz einfach glücklich macht.

Dann mal los!
Das Rezept ist nämlich einfach nachzukochen:

Mensch nehme

  • ein menschliches Gegenüber,
  • betrachte es wohlwollend
  • suche nach Schönem, Gefälligen, Liebenswerten
  • und äußere sich dazu im Sinne von:
    Du hast aber eine schöne Jacke an!
    Wie toll Du mit diesem Sch..-Computer umgehen kannst!
    Du hast Stil! Das gefällt mir.
    Du bist echt freundlich zu mir!
    ES macht Spaß mit Dir zu arbeiten!
    Tolle Arbeit – vielen Dank!

Der letzte Satz mischt Lob mit Dank – eine ganz besonders angenehme und manchmal nicht ganz einfach zu bekommende Zutat.
In diesem Sinne: Vielen Dank, dass Sie bis hierhin gelesen haben!

Angeregt, diesen WochenTipp zu schreiben, wurde ich übrigens durch ein Posting bei Facebook zu diesem Thema:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43029/Lob-des-Lobs
Gut gemacht und inspirierend!

Das Zen des glücklichen Arbeitens


Zen und ArbeitEin Buch für alle mit und ohne Zen-Erfahrung

Spirituelles Zen und profane Arbeit – ob das zusammen geht?
Und dann noch als eine Art Ratgeber?
Und wie das geht!

Es geht schon deshalb besonders gut, weil es im Zen diese Unterscheidung zwischen „Heiligem“ und „Profanen“ gar nicht gibt!
Wer nicht den besten Arbeitsplatz der Welt hat – oder das zumindest so empfindet, könnte mit Peter Steiners Buch „Das Zen des glücklichen Arbeitens“ eine (glückliche) Überraschung erleben.

Alle anderen, die auf angenehme Weise erinnert werden wollen, wie Leben einfacher und klarer gelebt werden kann, sollten sich dieses gelungene Buch ebenfalls am besten heute noch kaufen.
„Denn im Grunde ist alles ganz einfach – unser Leben wird von dem geprägt, was wir regelmäßig tun…und so formuliert sich der …Zen-Grundsatz „Wir sind das, was wir regelmäßig tun.“
Aus diesem kargen Satz läßt ich viel ableiten – vor allem Steiners angenehm wenig missionierender Vorschlag, durch das regelmäßige Üben des Zen schlicht eine andere Grundhaltung einnehmen zu können.
Ja, es gibt sie, die wenig erfüllenden Brotjobs, die fürchterlichen ChefInnen, das schwierige Team und die nicht angemessene Bezahlung. Und?
Bezogen auf das Zitat oben können wir mit konstanter Regelmäßigkeit darüber lamentieren und uns grämen – tagein, tagaus – sehr regelmäßig also.
Wir können aber auch eine täglich Lamentierpause von 25 Minuten einrichten, in der wir ZaZen üben – wach, bewusst und in Ruhe. In dieser absichtslosen Zeit (was für eine Idee…) kann Bewusstsein entstehen für das, was gerade ist – ohne Geschichte dazu – einfach nur: Sitzen, atmen, sein!
„Das ist es, was ich am Zen so beeindruckend finde: Ich muss einfach nur still sitzen. Nichts tun. Atmen. Achtsam sein….Alles wird einfacher und offensichtlicher.“

Steiner schreibt aus dem einfachen und klaren Geist des Zen:
Ohne Rat, ohne langatmige Belehrungen, ohne Vorschriften und vor allem ohne vorzugeben zu wissen, wohin die Reise der LeserIn gehen kann oder gar soll. Er beschreibt einfach und klar, was passieren kann, wenn wir uns entscheiden, der Klärung des Geistes ein halbe Stunde am Tag zu widmen.
Dabei ist es nicht nötig, zum Zen-Schüler zu werden oder auf buddhistischen Pfaden zu wandeln – es ist mehr die Geisteshaltung, als die Tradition des Zen, die Steiner hier vorstellt.

So einfach ist das? So einfach ist das – es muss nur…getan werden.

Peter Steiner
Das Zen des glücklichen Arbeitens
Mehr Sinn und Zufriedenheit in Job und Alltag
Theseus Verlag
€ 12,95

Erstveröffentlichung 26. Februar 2013 von Conny Dollbaum auf www.heilnetz-owl.de