Abstraktionen 1


Landkarten
zeigen
Gegenden
abstrakt.

Ein blauer Strich ist Fluss,
ein braun-gebogener die Höhe,
das helle Grün ein Wald.

Modern ist
Satelitten um die Welt zu schicken.
Mit Fluss und Höhe und natürlich grünem Wald.
Abstrakt.
In Echtzeit.

Die Regenjacke
zu vergessen
ist
mit Karte oder Satellit:
In echt nass.

 

An einem Nach-Wahl-Montag…


Einen Tag danach, ein bisschen schwer in Kopf und Herz. Da sitzen wir, die Aufrechten, Linken, Grünen, VeganerInnen, Ökos, CarsharerInnen und Emanzen, SozialistInnen, Grundeinkommens-BefürworterInnen, Anti-AkWlerInnen, die bunten Schwulen und Lesben und Transgenders und alle, die mit Kunst und Kultur und Kommunismus mehr auf Du und Du, sind als mit Karierre und Konsorten, da sitzen wir alle etwas desillusioniert am Montagstisch.

Und, ganz im Geheimen, sind wir gewiss, dass unsereins (siehe oben), es wirklich, also objektiv, für alle Menschen geltend, besser weiß. So ziemlich alles.

Denn…wären alle wie wir, gäbe es keinen Klimawandel, keinen Krieg, kein Schweinefleisch und wahrscheinlich auch kein Abitur mehr – nur freie, friedliche, nette, alles verstehende Menschen in einer Art Grünen-Paradies.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es mir da gut gefallen würde.

Können wir uns gerade heute nicht mal freuen, dass wir so lebendig waren, sind und hoffentlich sein werden in diesem durch und durch demokratischen Land, in dem alle zetern und schimpfen und lamentieren dürfen, wie immer es allen einfällt. Und in dem es sehr sehr unterschiedliche Arten zu leben geben darf und soll.

Da bleibt die kleine Ahnung, dass wir uns kümmern müssen. Um uns. Um unsere  Weltwahrnehmung. Denn ziemlich sicher wäre es ganz gut, mehr hinzuhören, weniger eng zu sehen, die Gartenzwerge nicht so laut zu verlachen, sondern zu fragen: Was gefällt dir denn an diesem Zwerg so gut?

P.S. Was niemals heißen darf, dass Lebewesen-Verachtendes gleich welcher Art auch nur ansatzweise toleriert werden darf. Nicht ansatzweise. Nie.

 

Verbunden


Wenn es so ist, dass wir immer und überall mit allem verbunden sind (was ich glaube) und wenn das bedeutet, sehr viel mehr mit zu empfinden, als wir das gemeinhin für üblich halten, wenn es also so ist, dass wir uns miteinander freuen und auch leiden, dann ist eines klar:

Es wird schwer bis unmöglich, das eigene kleine Glück ins Paradies zu retten.

Dann leiden wir mit denen, die fliehen, die Angst haben, die in den Trümmern eines Erdbebens nach ihren Lieben suchen. Wir leiden mit Hühnern in den Legebatterien und mit den Bienen, die verschwinden. Zum Beispiel.

Und wenn das so ist, finde ich es beinahe normal, dass wir ausbrennen und immer verrückter und ängstlicher und verwirrter werden (ausgerechnet ein Präsident muss als bestes Beispiel dafür dienen, was passiert, wenn wir uns abschneiden) – denn so viel Leid ist schwer zu ertragen. Vor allem, wenn es Menschgemachtes ist.

Aber, nicht zu vergessen, auch Freude, Mitgefühl und Herzgewahr sind unterwegs. Auch überall. Und immer. Ein Glück. Und auch für alle, verbunden eben.

Aus dem Alltag fallen Worte in die Tasse


Manchmal auch daneben. Unter den Tisch. Viel zu oft.

Der Blog soll da nicht landen, also unter dem Tisch, gar mit Füßen getreten. Deshalb hier an dieser Stelle ein Lebenszeichen: Die Worte sind noch da. Die Frau auch.

Also mal ein Gedicht-Ähnliches:

Denke ich
also ich, nur ich,
ich wäre für irgendetwas wichtig,
also richtig richtig wichtig,
wird alles schwer und viel.
Lasse ich das,
fürchte ich
Nicht mehr so schwer und viel und
wichtig zu sein.

Wäre ich das nicht,
könnte endlich Platz für
leicht und wenig und normal sein.

Das wäre keine Option, meist,
wohl aber eine Chance.

Noch besser: Leichtes Leben.

Geister der Welt


Geister der Welt

singt eure Lieder,

schreit so laut ihr könnt,

unsere Ohren hören schlecht,

sie sind verstopft von

Jingles und dem Lärm der Welt.

 

Schickt Stürme, Wellen,

große Vögel,

lasst Brücken bersten,

Hitze Flüsse trocknen

bis wir es verstanden haben.

Alle.

Wir sehen: Ihr habt schon begonnen.

 

Dann vielleicht doch, eine Bitte noch:

helft uns zu hören,

wiegt unsere Herzen liebevoll

im Sturm

und schickt

die Meister aller Herzen tief ins Chaos,

die lachend scheppern,

staunen,

wissen.

Ist Zeit genug?

Gedichte


Gedichte

fallen

aus Wolken,
steigen aus Nebeln,
blitzen von Gewitterhimmeln.

Nur manchmal

flattern sie auch auf Vogelschwingen
leise leicht
aufs Blatt.

Das ist selten.
Oder
das sind aber sehr seltene Vögel.
Die leichten.

 

Aus die Maus.


Gelebtes:

Visionäres.
Ideen umgesetzt.
Neues gemeinsam in die Welt getragen.
Menschen miteinander verbunden.
Lachen und Absurdes gesammelt.
Getröstet und getröstet worden.
Uns uns vertraut gemacht.

Verpasstes:

Elbstrandgänge.
schade, aber entbehrlich.
Prickelndes Betrinken.
zu spät  getroffen – früher…aber immer.
Bäuche vergleichen.
lustig.
Tanzen.
schade, zu nina simone im hospiz war es nicht das gleiche.
Regensonntag am Frühstückstisch verbringen und dummes Zeug denken wie reden.
müßiges da-sein ohne plan: nicht oft unser ding gewesen.
Küssen.
früher bestimmt, jetzt waren herz und mund vergeben – gut.
Mittelmeer-Reisen.
schön, nicht wirklich wichtig.
Gemeinsam meditieren.
schön und wichtig.
Sterben üben.
das einzige, was zu bereuen wäre, verpasst zu haben, wenn es etwas zu bereuen gäbe.

Good luck my dear, du fehlst.

 

Resonanz


Erste Gedanken zu Hartmut Rosas Buch Resonanz

Resonanz als Gegenstand soziologischer Forschung, also als Gegenstand einer Disziplin, die selten unter Verdacht steht, Anleihen in der Esoterik zu machen.

Hartmut Rosa ist unzufrieden mit den Inhalten der Glücksforschung und auch mit dem, was die Philosophie zur Frage nach dem guten Leben zu sagen hat.

Er will u.a. zeigen, dass ein gutes Leben mehr ist, als die Anhäufung und optimale Nutzung der eigenen Ressourcen – und weil er Wissenschaftler ist, tut er das streng wissenschaftlich.

Soziologie einer Weltbeziehung ist der Untertitel – ja, wie steht es um unsere Beziehung zu uns selbst, zu Natur, zu unseren Mitmenschen? Und kann es sein, dass die in den meisten Coachings und auch der Psychotherapie aktuell so betonten Aspekte von Ressourcen- und Lösungsorientierung genau das zur Folge haben, was sie eigentlich vermeiden wollen: Eine Verstummung der Welt um uns herum? Weil wir nicht in Resonanz gehen, sondern Welt nutzen, uns zu eigen machen, indem wir Ressourcen wie Bildung, Einkommen, Status, Netzwerke und Talente sammeln und hoffen, auf diese Weise glücklicher zu werden.

Auf ökologischer Ebene ist uns das klar? Aber bezogen auf uns als Individuum?

Und ist es nicht so, dass wir verzweifelt versuchen, unsere Bestimmung in der Welt zu erkennen und diese gern als stabilen Faktor unseres Selbst erkennen würden – bei gleichzeitiger Aufforderung, uns permanent zu wandeln, flexibel zu sein?

Wie kann diese Paradoxie gelebt werden, ohne dass wir daran zerbrechen? Wobei: Wir tun es ja, zerbrechen, ausbrennen, verzweifeln.

Wie geht ein Leben ohne ethischen Kontext, ohne selbst-verständliche Zugehörigkeit?

Wir haben uns befreit – von allem, vor allem von Eingebundensein, von Bindung, und vom Resonanzerleben.

Für die Selbstverständlichkeit beraterischer oder therapeutischer Arbeit spielen grundlegende Überlegungen wie diese eine große Rolle – allerdings hat ein Diskurs dieser Art keine Tradition in diesem Kontext.

Achtung: Diese Gedanken haben keinerlei Anspruch darauf, Herrn Rosas großartiges Werk zu erklären oder zu zitieren – ich nutze die daraus entstehenden Gedanken lediglich, um eigenen Überlegungen Raum zu geben. Ich gehe in Resonanz, auch, weil mir immer öfter angst und bange wird ob der Optimierung, Selbstverwirklichungs- und Selbstwirksamkeitwelle, die uns in Beratung, Coaching und Therapie mitzureißen droht.

P.S. Als Gestalttherapeutin und Präsenzcoach bin ich seit vielen Jahren Teil der Lösung wie des Problems

Salto paradoxale (für Verzagte)


Geliebt werden ?
Gib dich hin.

Gesehen werden?
Trete zurück.

Zur Ruhe kommen?
Akzeptiere Lärm.

Glück?
Sei nicht wählerisch.

Erfolg?
Tu, was du willst.

Vertrauen?
Gehe in die Dunkelheit.

Satt sein?
Faste.

Reichtum?
Verschenke deine Kostbarkeiten.

Bewegung?
Beobachte Vögel.

Bedeutsamkeit?
Gieße Blumen.

Handeln?
Räume deinen Schreibtisch auf.

Nicht zweifeln?
Vergiss es.

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Blattserie

Morgen-Schrieb


Wortgestrüpp. Gedankenfetzen.

Balken von Worten liegen kreuz und quer im Kopf herum. Beim Aufwachen mühsames Sortieren.

Wie kommen Gedanken in den Kopf und wo entstehen Worte für das Blatt?

Ohne Zwischenstopp, als würden sie direkt vom Himmel, Baum und Dach direkt in meine Feder fallen (die keine ist. Natürlich.) Schreibüberlegungen? Eher: Gescheibgespuck.

Und dann ein Blick nach draußen: Die Welt ist heute blankgeputzt, nachdem der Sturm sie nächtens durcheinanderblies. Die Zweige liegen ganz erschöpft im Gras. Welteinerlei.

Welt weg. Sturm auch.
Blatt am Boden aus Papier. Hundemaul.

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